Teilerlass der Kirchensteuer auf Abfindungen

Abfindung für gekündigte Arbeitnehmer ist in Krisenzeiten wieder ein Thema. Die Versteuerung wird im Rahmen des Lohnsteuerabzugs durch den Arbeitgeber vorgenommen.

Wichtig ist es zu wissen, dass man einen Teilerlass der Kirchensteuer auf die Abfindung beantragen kann.

Teilerlass nur auf Antrag

Das ist keine Automatik, daran muss man selber denken. Die Erlasspraxis der Kirchen gibt es schon jahrzehntelang. Es besteht kein gesetzlicher Anspruch und – z.B. nach Meinung des Finanzgerichts Köln in 2008 – auch kein Gewohnheitsrecht.

Dennoch sollten Betroffene einen Antrag stellen, denn die Kirchen belohnen die Mitgliedschaft in der Regel mit diesem Teilerlass.

Da stellen sich 3 Fragen: Wie geht das? Wann muss man den Antrag stellen? Was kommt dabei heraus?

Den Antrag muss man nicht beim Finanzamt stellen. Er muss bei dem zuständigen Kirchensteueramt der Diözese oder der Landeskirche gestellt werden.

Form und Fristen

Ein formloser schriftlicher Antrag genügt. Eine Kopie des Steuerbescheides muss hinzugefügt werden und besser auch die Gehaltsabrechnung, aus der sich die Abfindung genau ergibt.

Die Antragsfrist beträgt 2 Jahre ab Bestandskraft des Steuerbescheides. 50 % der Kirchensteuer auf eine Abfindung 2006, die sich aus einem Steuerbescheid ergibt, der z.B. im August 2007 bestandskräftig geworden ist, könnten also jetzt – im Juni 2009 – noch wiedergeholt werden.

Antrag auf Teilerlass lohnt sich

Beschriftung Kirchensteuer über Münzen und Geldscheine

Teilerlass der Kirchensteuer

Bleibt die Frage, ob wir hier über größere Beträge oder „Peanuts“ reden.

Nehmen wir ein einfaches Beispiel und lassen der Einfachheit halber den Solidaritätszuschlag weg: Ein Alleinstehender, der 2.000 Euro im Monat verdient und ein Jahresgehalt als Abfindung erhält, verdient im Jahr 24.000 Euro.

Das macht 3.978,00 Euro an Steuern für das normale Gehalt. Erhält er mit dem letzten Gehalt die Abfindung von 24.000 Euro, wären das 48.000 Euro. Durch die Steuerprogression ist der Steuersatz jetzt bei 25.59 % (12.285 Euro).

Die Besteuerung von Abfindungen und Freibeträge

Aber gibt es nicht Freibeträge für die Abfindung? Jein. Freibeträge gibt es nicht mehr, aber um eine solch ungerechte Besteuerung abzumildern, wird die Abfindung normalerweise nach der so genannten Fünftelregelung (§ 34 EStG) besteuert, die hier kurz erläutert wird:

Die Fünftelregelung sieht vor, dass zunächst die Steuer für das Jahresgehalt ermittelt wird. Dann wird die Steuer für das Jahresgehalt + 1/5 der Abfindung berechnet.

Der Differenzbetrag von beiden Ergebnissen wird mit 5 multipliziert. Das ist die Steuer für die Abfindung. Kompliziert, nicht wahr?

Wir rechnen trotzdem weiter mit unserem Beispiel.. Das Jahresgehalt beträgt 24.000 Euro = Steuer 3.978 Euro. Jahresgehalt + 1/5 der Abfindung (4.800 Euro), macht 28.800 Euro. Steuer hierfür = 5.429 Euro. Für 1/5 der Abfindung wären also 5.429 Euro – 3.978 Euro = 1.451 Euro an Steuern zu bezahlen.

Das macht 1.451 Euro x 5 = 7.255 Euro an Steuern für die gesamte Abfindung. Plus Steuer für das normale Jahresgehalt in Höhe von 3.978 Euro macht 11.233 Euro Steuern (1.052 weniger, als bei vollem Steuersatz für die 48.000). Das mit der Fünftelregelung ist gut zu wissen.

Der Vorteil des Teilerlasses

Aber für die Frage, über welchen Betrag wir bei der Kirchensteuer reden, brauchen wir nur die Steuer für die Abfindung. Das sind hier 7.255 Euro.

Bei einem Kirchensteuersatz von 9 % sind das ungefähr 653 Euro Kirchensteuer. Bei dem Teilerlass gäbe es also 326,50 Euro zurück. Das sind wohl eher „Peanuts“ aber die schmecken ja eigentlich ganz lecker, und man sollte nicht darauf verzichten.