Vermögensaufbau mit Aktien statt Spekulation

    Kann ich mit Aktien schnell Geld verdienen, vielleicht sogar meinen Lebensunterhalt mit Aktienhandel bestreiten? Das mögen sich manche fragen.

    Die klare Antwort lautet: nur in sehr seltenen Ausnahmefällen ist der Aktienbestand so umfangreich, dass es sich von den Dividenden und gelegentlichen Verkäufen oder Zukäufen leben lässt. Der überwiegenden Zahl der Privatanleger wird dies nicht möglich sein, auch wenn Aktienbriefe, Ratgeber oder Newsletter etwas anderes suggerieren.

    Solche Publikationen geben häufig Ratschläge, welche Aktien gerade „in“ sind, welche man halten und welche man verkaufen soll und in welche erfolgsversprechende Penny Stocks Insider gerade investieren.

    Oft wird dazu animiert, Aktien ständig zu kaufen oder zu verkaufen und außerdem Optionsscheine und Zertifikate aller Art zu handeln, also zu spekulieren. Im Einzelfall mag die Rechnung zunächst aufgehen, so wie Spieler selbst beim Glücksspiel gewinnen können

    Doch wie beim Glücksspiel gilt am Ende auch beim Spekulieren mit Aktien: wie gewonnen so zerronnen. Wer sich durch Gewinne zum Spekulieren verleiten lässt, steht am Ende mit leeren Händen da, schlimmstenfalls verspekuliert er sein gesamtes Vermögen.

     

    Erfolgreiche Aktienanleger denken langfristig

     

    Aktien dienen der langfristigen Vermögensanlage. Vermögensaufbau sollte im Mittelpunkt stehen, nicht kurzfristiges Geld verdienen. Wer mit Aktien schnell Geld verdienen will, wird in der Regel bitter enttäuscht.

    Kurzfristiges Kaufen und Verkaufen bereichern Banken und Börsenhandel. Sie kassieren Gebühren. Die Rendite wird dadurch in der Regel deutlich geschmälert.

    Wichtig ist nicht ständiges Ändern des Aktiendepots und das Hinterherrennen von Trends. Entscheidend ist vielmehr, dass Anleger die richtigen (werthaltigen) Aktien kaufen und sie so lange wie möglich halten.

    Gelingt dies, ist eine realistische Durchschnittsrendite von 5-8 % jährlich zu erreichen. Die besten Renditen werden erzielt, wenn Dividenden und Veräußerungserlöse gelegentlicher Verkäufe einschließlich der realisierten Kursgewinne sofort reinvestiert werden.

    Eine langfristige Anlagestrategie bedeutet jedoch keinesfalls, einmal erworbene Aktien niemals zu verkaufen oder niemals durch andere Werte auszutauschen.

    Ein Verkauf ist immer dann angesagt, wenn eine Aktie den Kriterien für eine werthaltige Geldanlage nicht mehr gerecht wird, die betriebswirtschaftlichen Kennzahlen also nicht mehr stimmen.

    Beispiel: ein Marktführer hat sich bei den Produkten verspekuliert und verliert Marktanteile und außerdem die Marktführerschaft. Das war beispielsweise beim schwedischen Telekommunikationskonzern Ericsson kurz nach der Jahrtausendwende der Fall.

     

    Ist es schwer, mit Aktien Geld zu verdienen?

     

    Man muss kein Profi sein, um mit Aktien Geld zu verdienen. Man darf sich aber auch nicht als völliger Laie nur auf die Ratschläge Dritter, Nachbarn, Freunde, Anlageberater und Banken verlassen.

    Soll in Einzelaktien erfolgreich investiert werden, muss ein gewisses Fachwissen vorhanden sein, damit man erkennt, welche Aktien gegenwärtig wirklich werthaltig sind und eine Investition lohnen.

    Außerdem muss ein gewisser Zeitaufwand einkalkuliert werden. Denn Anleger müssen den Markt und die Unternehmen, in die sie investiert haben, eng im Auge behalten. Und Investoren sollten selbstverständlich wissen, wie der Aktienmarkt funktioniert und welche Kosten entstehen können.

    Für viele Privatanleger mag es einfacher sein, auf die Investition in Einzelaktien zu verzichten und stattdessen in Indexfonds oder die entsprechenden ETFs zu investieren.

    Dabei sollten die Basiswerte solide sein und eine kontinuierliche Performance versprechen. Beispiele sind der Dow-Jones oder der S&P 500. Auch Euro Stoxx und DAX eignen sich in eingeschränktem Maß.

    Überhaupt nicht geeignet für einen soliden Vermögensaufbau sind Indexfonds auf Branchen oder auf Indizes von Schwellenländern. Wer auch Schwellenländer oder asiatische Werte berücksichtigten möchte, kann auf einen Weltindex wie MSCI World ausweichen.

    Indexfonds sind durch eine Investition in Einzelaktien oder in aktiv gemanagte Aktienfonds im Übrigen nur schwer zu schlagen. In der Regel gelingt das vor allem Privatanlegern nicht.

     

    Kriterien für werthaltige Aktien

     

    Welche Kriterien müssen Unternehmen erfüllen, damit mit ihren Aktien langfristig Geld verdient werden kann? Oder anders ausgedrückt, welche Aktien sind am ehesten krisensicher und versprechen kontinuierliche und angemessene Erträge? Hier ein paar wichtige Punkte:

    • Das Unternehmen darf nicht nur von einem nationalen Markt abhängig sein, sondern sollte seine Waren oder Dienstleistungen möglichst weltweit als einer der Marktführer in der Branche anbieten.
    • Bekannte Markennamen garantierten Preissetzungsmacht und einfache weltweite Vermarktung.
    • Eine hohe Eigenkapitalquote (niedrige Verschuldung) hilft bei der Expansion und wenn es um das Durchstehen von allgemeinen Wirtschaftskrisen geht. Die Eigenkapitalquote sollte 30 % nach Möglichkeit nicht unterschreiten.
    • Wichtig ist eine anlegerfreundliche Geschäftspolitik. Dazu gehören angemessene Dividenden über einen längeren Zeitraum und auch Maßnahmen zur Kurspflege wie Aktienrückkaufprogramme. Wichtig sind eine stetige Dividendenpolitik und eine gute Performance am Aktienmarkt über einen längeren Zeitraum.
    • Das Geschäft muss für den Investor verständlich und einfach sein. Welche Güter werden wahrscheinlich immer, selbst in einer Krise, benötigt?
    • Das Unternehmen sollte sich in vergangenen Krisen bewährt haben, sie gemeistert haben oder sogar gestärkt aus ihnen hervorgegangen sein. Ein Beispiel für ein solches Unternehmen ist die amerikanische Bank Wells Fargo, die die Finanzkrise gestärkt überstanden hat.
    • Die Aktien des Unternehmens sollten am Aktienmarkt nicht zu sehr überbewertet sein.
    • Zyklische Aktien eignen sich für eine langfristige Geldanlage eher nicht. Sie sind stark konjunkturabhängig und zeichnen sich über längere Zeiträume regelmäßig durch eine unterdurchschnittliche Performance aus. Beispiele für zyklische Branchen sind Autoindustrie, Bauindustrie, Anlage- und Maschinenbau.

     

    Die richtige Depotmischung

     

    Ein Depot mit Aktien sollte übersichtlich bleiben. Aktien von 10 bis 25 Einzelunternehmen reichen für ein gut gemischtes Aktiendepot aus.

    Ausgewogen sollte das Depot sowohl regional als auch mit Blick auf die Branchen sein. Aktien aus instabilen Regionen sind für einen langfristigen Vermögensaufbau jedoch nicht empfehlenswert. Gleiches gilt für exotische Branchen wie Rohstoffe und andere.

    Regional zu empfehlen sind Aktien aus den USA, Kanada, Europa und aus wenigen asiatischen Ländern wie Japan und Südkorea. Auch in Australien gibt es die eine oder andere Aktie, beispielsweise aus dem Finanzbereich, in die eine Investition lohnt.

    Die ausgewählten Branchen sollten zukunftsträchtig sein, also zukünftig gutes Wachstum versprechen. Beispiele sind die Gesundheitsbranchen , die Energiebranche und die Finanzbranche.

     

    Wieviel Startkapital wird benötigt?

     

    Wird in Einzelaktien investiert, ist ausreichendes Startkapital zur Zusammenstellung eines Depots erforderlich. Dabei sollte es sich um Geld handeln, was auf lange Sicht nicht für andere Zwecke benötigt wird, um Notverkäufe zu vermeiden.

    Sinnvoll ist ein Startkapital, welches ausreicht, um eine nennenswerte Aktienanzahl (zum Beispiel 50 bis 100 Aktien) von 5 bis 10 Unternehmen zu kaufen, damit eine vernünftige Mischung zu Stande kommt.

    Zur Risikostreuung und um Nachkäufe zu realisieren, ist ein individuell gestalteter privater „Aktiensparplan“ nicht das Schlechteste. Regelmäßige Investitionen gleichen Kursschwankungen aus.

    Nachkäufe bieten sich an, wenn eine Aktie ungerechtfertigt abgestraft wird. Das geschieht häufig in Zeiten wirtschaftlicher und politischer Krisen. Das Unternehmen ist völlig gesund, die Aktie kann sich aber dem allgemeinen Trend nicht entziehen. Wenn dann alle verkaufen, ist der richtige Zeitpunkt für einen Nachkauf.

    Der Höhepunkt der Finanzkrise war ein guter Zeitpunkt, in Aktien zu investieren.

     

    Wo und durch wen sollte man Aktien kaufen

     

    Die meisten werthaltigen Aktien gibt es leider nicht in Deutschland. Es sind ausländische Werte. Bei nennenswertem Handelsvolumen können Sie an inländischen Börsen geordert werden. Sonst empfiehlt sich eine Order an der Heimatsbörse des Unternehmens. Dadurch können allerdings zusätzliche Kosten entstehen.

    Eine weitere Frage ist, ob ein Online Depot oder ein Depot bei der Hausbank eingerichtet werden soll. Manche Hausbanken bieten auch Online Brokerage.

    Die Abwicklung von Aktiengeschäften über Filialbanken ist verhältnismäßig teuer. Doch die Kosten fallen nicht so sehr ins Gewicht, wenn Aktien lange gehalten und wenig gehandelt werden.

    Online Brokerage ist günstiger, jedoch sollte man sich mit der Handelsplattform des ausgewählten Anbieters zuvor gut vertraut machen. Online Broker bieten in der Regel Musterdepots an, mit denen geübt werden kann.

     

    Mit fallenden Aktien Geld verdienen?

     

    Put Optionsscheine und Optionen sowie Leerverkäufe (shorten), das sind im Wesentlichen die Instrumente, mit denen Spekulanten versuchen, bei fallenden Kursen Geld zu verdienen.

    Die Risiken sind hoch, und für Privatanleger ohne Insiderwissen sind die Gewinnchancen nicht besonders beeindruckend.

    Manche Anleger versuchen, über Verkaufsoptionen die Gewinne ihres Aktiendepots abzusichern. Hat eine bestimmte Aktie einen guten Kursgewinn erzielt, wird eine Put Option auf die Aktie erworben. Fällt die Aktie, steigt der Optionsschein, und die Verluste werden ausgeglichen, sofern die dafür erforderliche Anzahl von Optionen erworben wurde.

    Im umgekehrten Fall erzielt die Aktie weitere Gewinne und der Optionsschein verfällt. Da die Kosten für die Put Option sehr gering sind, verbleibt dennoch ein angemessener Gewinn.

    Langfristig orientierte Anleger benötigen solche Hilfsinstrumente eigentlich nicht, da bei einem Anlagehorizont von zehn Jahren und mehr mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit von einem angemessenen Wertzuwachs des Depots ausgegangen werden kann, ohne dass es besonderer Hilfsmittel bedarf.

    Put Optionen und Put Optionsscheine

    Es handelt sich um an der Börse handelbare Wertpapiere, mit denen innerhalb der vereinbarten Laufzeit auf fallende Kurse spekuliert wird. Das Verlustrisiko ist hoch, da zukünftige Kursentwicklungen nicht vorhergesagt werden können. Allerdings ist der Verlust auf dem relativ geringen Kapitaleinsatz für den Erwerb der Option begrenzt.

    Verkaufsoptionen haben Laufzeiten von einigen Monaten, in seltenen Fällen laufen sie länger als ein Jahr. Parallel zu den Kursen des Basiswertes entwickeln sich in umgekehrter Weise auch die Kurse der Verkaufsoptionen, allerdings wegen der Hebelwirkung mit größeren Ausschlägen.

    Put Optionen können jederzeit verkauft werden, so dass aufgelaufene Gewinne realisiert werden können.

    Put Optionsscheine werden im Gegensatz zu Optionen nur von Banken aufgelegt. Es sind keine von der Börse standardisierte Wertpapiere.

    Leerverkäufe oder Shorten

    Bei Leerverkäufen verkauft der Spekulant Aktien, die er selbst noch gar nicht gekauft hat. Sinkt der Kurs, kann der Anleger sich zu einem günstigeren Kurs als den Verkaufspreis eindecken. Die Differenz zwischen Kaufkurs und Verkaufskurs ist der Gewinn.

    Beim Shorten ist das Verlustrisiko summenmäßig deutlich höher und sehr viel weniger kalkulierbar als bei Verkaufsoptionen. Das gilt in besonderem Maße, wenn die Spekulation nicht aufgeht und der Spekulant überhaupt nicht über die Mittel verfügt, um sich trotz steigender Kurse einzudecken.

    Unterschieden werden ungedeckte von gedeckten Leerverkäufen. Bei gedeckten Leerverkäufen leiht sich der Anleger von dem Verkauf die entsprechende Anzahl von Aktien vom Broker gegen eine Gebühr meistens in Höhe von 2 % des aktuellen Aktienwertes.

    Dabei handelt es sich um einen automatischen Vorgang, wenn eine entsprechende Brokerage Plattform genutzt wird.

    Bei ungedeckten Leerverkäufen wird auf die Leihe verzichtet. Ungedeckte Leerverkäufe sind in Deutschland als Folge der Finanzkrise verboten.

    Die Wirkung von Leerverkäufen auf den Aktienmarkt wird unterschiedlich eingeschätzt. Viele meinen, dass sich die letzte Finanzkrise mit dem Zusammenbruch der Aktienmärkte zusätzlich verstärkt hat, indem über vor allem ungedeckte Leerverkäufe Aktienkurse nach unten spekuliert wurden.

    Sicher ist, dass professionelle Anleger die Kurse einzelner Aktien zeitweilig bei einem hohen Volumen von Leerverkäufen negativ beeinflussen können, ohne dass Privatanleger den Grund für den Kurseinbruch rechtzeitig durchschauen.

    Kurseinbrüche können durch Leerverkäufe nicht nur bei Aktien und Aktienindizes entstehen sondern außerdem bei Währungen und anderen an der Börse handelbaren Produkten.