Lohnen sich Vorzugsaktien?

    Die Vorzugsaktie ist neben der Stammaktie die zweite im deutschen Aktienrecht ausdrücklich geregelte Aktiengattung.

    Ebenso wie bei der Stammaktie gibt es theoretisch unterschiedliche Arten der Vorzugsaktie. Sie kann als Inhaberaktie oder Namensaktien und als Nennwertaktie bzw. Stückaktie ausgegeben werden. Es kann sich dabei um junge oder um alte Aktien handeln.

    Allen Vorzugsaktien ist gemeinsam, dass sie besondere Rechte verbriefen, die Stammaktien nicht haben. Man unterscheidet absolute Vorzugsaktien von relativen Vorzugsaktien. Bei absoluten Vorzugsaktien erhalten die Aktionäre Sonderrechte gegenüber Stammaktionären bei sonst gleichen Rechten.

    Bei relativen Vorzugsaktien werden auch Sonderrechte gewährt, die aber mit Einschränkungen bei anderen Rechten einhergehen. In Deutschland sind relative Vorzugsaktien die Regel.

    Welche Sonderrechte gewährt werden und welche Rechte gegebenenfalls dafür aberkannt werden, das ergibt sich aus der Satzung der Aktiengesellschaft. Allerdings schränkt das Aktiengesetz die Gestaltungsmöglichkeiten ein.

    Da Vorzugsaktien die Ausnahme darstellen, werden sie im Börsenzettel in der Regel besonders gekennzeichnet mit Abkürzungen wie „V“ „VZ“ oder „VA“. Außerdem hat die WKN in den meisten Fällen eine „3“ als letzte Ziffer.

    Varianten der Vorzugsaktie

    Im In- und Ausland gibt es viele verschiedene Formen von Vorzügen. Sie unterscheiden sich nach den Rechten der Aktionäre, insbesondere nach der Ausgestaltung des Dividendenvorzugs und werden sehr häufig neben Stammaktien ausgegeben.

    In Deutschland sind stimmrechtslose Vorzugsaktien die Regel. Der Aktionär hat kein Stimmrecht und kann die Geschicke des Unternehmens deshalb nicht mitbestimmen. Ihm ist aber erlaubt, an den Hauptversammlungen teilzunehmen. Vorzugsaktien ohne Stimmrecht dürfen nur bis zur Hälfte des Grundkapitals ausgegeben werden (Paragraph 139 Aktiengesetz).

    Aktien mit Vorabdividende und Überdividende

    Zuerst wird an die Aktionäre ein fester Dividendensatz ausgezahlt. Danach erhalten die Aktionäre ihre Dividende. Besteht dann noch ein zur Ausschüttung vorgesehener Restgewinn, wird er auf alle Aktionäre gleichmäßig aufgeteilt.

    Wird mit der Vorzugsaktie eine Überdividende verbrieft, ist die Dividende von Vorzugsaktionären höher als diejenige der Stammaktionäre. Beispiel: Vorzugsaktionäre erhalten zehn Euro Dividende je Aktie, Stammaktionäre nur fünf Euro. Bleibt vom auszuschüttenden Gewinn noch etwas übrig, wird er gleichmäßig verteilt.

    Vorzugsaktien mit prioritätischem Dividendenanspruch stellen die bekannteste Variante dar.

    Limitierte Vorzugsaktien

    Der Aktionär erhält vorweg seine Vorzugsdividende bis zu dem vorher festgelegten und verbrieften Höchstbetrag. Der gesamte restliche Gewinn wird nur an die Stammaktionäre verteilt.

    Limitierte Vorzüge haben für Anlieger durchaus ihre Tücken. Der feste Höchstbetrag sichert die Dividende zwar auch bei schlechter Geschäftslage, wird viel verdient, kann sich dieser Vorzug allerdings in einen Nachteil verkehren.

    Die Vorzugsaktionäre sind auf den Höchstbetrag beschränkt. Weitere Ansprüche gibt es nicht. Wird gut verdient, können sich deshalb Stammaktionäre besser stehen als die Inhaber von Vorzügen.

    Kumulative Vorzugsaktien

    Die Aktionäre haben dieselben Vorteile wie bei den oben geschilderten Varianten. Zusätzlich wird der Dividendenanspruch garantiert, selbst wenn Verluste eingefahren werden oder der Gewinn nicht zur vollen Vorwegbefriedigung des privilegierten Dividendenanspruchs ausreicht.

    Bleiben Beträge offen, muss in den nachfolgenden Jahren nachgezahlt werden, soweit die Gewinne dazu ausreichen. Man spricht auch in diesem Zusammenhang von Vorzugsaktien mit Nachzahlungsverpflichtung.

    Können die Defizite im nachfolgenden Jahr nicht vollständig ausgeglichen werden, wandelt sich die stimmrechtslose Aktie in eine Aktie mit Stimmrecht um, bis alle Dividendenansprüche erfüllt sind (Paragraph 140 Aktiengesetz).

    Vorzüge mit Stimmrecht und Mehrfachstimmrecht

    Vorzugsaktionären muss das Stimmrecht nicht zwangsweise versagt werden. Ihnen kann im Gegenteil sogar ein Mehrfachstimmrecht als der eigentliche Vorzug gegenüber Stammaktionären eingeräumt werden.

    Allerdings ist in Deutschland ein Mehrfachstimmrecht grundsätzlich unzulässig (Paragraph zwölf Aktiengesetz). In engen Grenzen können die Wirtschaftsminister Ausnahmen zulassen. Die Einwilligung muss vor der Emission eingeholt werden.

    Redeemable Preferred Stock

    Diese Variante wird bisweilen in den USA genutzt. Die Aktie kann durch Zahlung des Nominalbetrages zuzüglich des Agios getilgt werden, wenn ein entsprechender Beschluss des zuständigen Gremiums (Hauptversammlung) vorliegt. Manchmal wird auch von rückzahlbaren Vorzugsaktien gesprochen.

    Für deutsche Anleger, die natürlich auch in solche Aktien investieren können, wird die steuerliche Behandlung diskutiert. Die Besteuerung der Einnahmen aus rückzahlbaren Vorzugsaktien erfolgt nach deutschem Steuerrecht. Es handelt sich regelmäßig um eine Eigenkapitalverzinsung im Sinne des Paragraphen 20 Abs. 1 Nr. 1 des Einkommensteuergesetzes.

    Wandelbare Vorzugsaktien

    Bei dieser Variante kann der Aktionär die Vorzüge zu einem festgelegten Zeitpunkt in Stämme umgewandeln. Der Eigentümer der Aktie kann in der Regel entscheiden, ob er das Recht auf Umwandlung geltend machen möchte.

    Die Umwandlung kann eine Erhöhung der Liquidität zur Folge haben. Deswegen wird sie als eine indirekte Form der Kapitalerhöhung bezeichnet.

    Umwandlung in Stammaktien

    Vorzugsaktien können in Stammaktien mit Stimmrecht umgewandelt werden, ohne dass dem Aktionär von vornherein ein Recht darauf zusteht. Erforderlich dazu ist ein der jeweiligen Satzung entsprechender Beschluss der Hauptversammlung.

    Die Zusammenlegung der beiden Aktiengattungen kann den Aktionären von Vorzügen unverhoffte Gewinne bescheren.

    Sehr oft sind Vorzugsaktien günstiger als Stämme, beispielsweise weil nur die Stammaktien in den primären Aktienindices gelistet sind. Verdichten sich Gerüchte einer Zusammenlegung, werden die Kurse für Vorzüge steigen.

    Die Zusammenlegung kann außerdem dazu führen, dass die Gewichtung im Aktienindex steigt. In diesem Fall werden Investmentfonds, die ihre Produkte an der Zusammensetzung von Indices orientieren, nachkaufen müssen. Die Folge sind ebenfalls Kurssteigerungen.

    Beispiel: Die B Aktiengesellschaft verfügt über 50 Millionen Stammaktien, die im DAX gelistet sind, und über 30 Millionen Vorzugsaktien, die in einem untergeordneten Index gelistet sind oder die nur im Freiverkehr zu haben sind.

    Werden die Vorzüge in Stammaktien umgewandelt, verfügt das Unternehmen jetzt über 80 Millionen im DAX gelistete Stammaktien. Die Mehrzahl der Stammaktien führt zu einer höheren Gewichtung im Index.

    Mezzanine Capital

    Mit Mezzanine Capital können Unternehmen ihre Eigenkapitalbasis verstärken, ohne den Anlegern Mitspracherechte einzuräumen. Mehr Eigenkapital erhöht die Kreditwürdigkeit und macht auf der anderen Seite möglicherweise die Beschaffung von Fremdkapital überflüssig.

    Beispiele sind partiarische Darlehen, Gesellschafterdarlehen oder stille Beteiligungen. Aber auch stimmrechtslose Vorzugsaktien gehören in die Gruppe des Mezzanine Capitals. Stimmrechtslose Vorzüge werden deshalb sehr oft von Inhabern kleinerer Aktiengesellschaften genutzt, die Eigenkapital brauchen aber die Herrschaft über das Unternehmen nicht verlieren wollen.

    Vor- und Nachteile sowie Unterschiede zu Stammaktien

    Vorzugsaktien sind etwas für Anlieger, die weniger auf Kursgewinne sondern mehr auf Sicherheit und eine kalkulierbare Dividende setzen. Verdient das Unternehmen etwas, müssen sie niemals vollständig auf die Dividende verzichten. Kommt es zur Liquidation, sind sie anders als Stammaktionäre bevorrechtigt.

    Das Unternehmen profitiert von der Ausgabe von stimmrechtslosen Vorzügen, weil Eigenkapital ohne Veränderung der Mehrheitsverhältnisse beschafft werden kann.

    Die Kurse von Vorzugsaktien sind gegenüber den Kursen von Stammaktien in der Regel etwas niedriger. Denn häufig sind nur die Stammaktien in den primären Aktienindices gelistet.

    Allerdings gibt es wenige Situationen, in denen Vorzugsaktionäre außerordentliche Kursgewinne einstreichen können, sofern sie spekulativ veranlagt sind. Das ist der Fall, wenn eine Umwandlung in Stammaktien bevorsteht oder wenn die Inhaber der Stammaktien einer kleineren Aktiengesellschaft ein Übernahmeangebot mit dem Ziel der Delistung der Vorzugsaktien unterbreiten.

    Weitere Einzelheiten zu den Vorteilen und Nachteilen und den Unterschieden können dem Beitrag zu den Stammaktien entnommen werden.

    In Vorzugsaktien investieren?

    Vorzugsaktien werden ebenso gehandelt und können genauso gekauft werden wie Stammaktien. Sind sie gelistet oder im Freiverkehr zu haben, ist eine entsprechende Kauforder möglich. Bei nicht gelisteten Vorzügen kommt ein Direkterwerb oder ein Erwerb über eine Bank infrage.

    Allerdings ist zweifelhaft, ob Vorzüge tatsächlich den Vorzug gegenüber Stammaktien erhalten sollten. Die das Anlagerisiko rechtfertigenden guten Renditen setzen sich immer aus langfristigen Kursgewinnen und Dividenden zusammen.

    Langfristige Kursgewinne sind aber bei vielen Vorzugsaktien nicht unbedingt an der Tagesordnung. Ein Grund ist, dass Vorzüge in vielen Fällen nicht in den großen Indices sondern in Nebenindices gelistet sind und deshalb ein geringes Handelsvolumen aufweisen.

    Investoren sind in der Regel nicht spekulativ veranlagt, häufig schon fehlt ihnen das interne Wissen, um aus kurzfristigen Kurssprüngen durch Übernahmegerüchte und Ähnliches wirklich Kapital schlagen zu können.

    Wollen Privatanleger mit Aktien wirklich Geld verdienen, ist ein langfristiger Anlagehorizont, nicht kurzfristiges Spekulieren, Voraussetzung. Investiert werden sollte in werthaltige Aktien marktbeherrschender Unternehmen mit guten betriebswirtschaftlichen Kennzahlen und stetigen Kursgewinnen. Das können natürlich auch Vorzugsaktien sein, in Deutschland sind es jedenfalls überwiegend Stammaktien.

    Für Privatanleger interessante Aktien sollten darüber hinaus über ein ausreichendes Handelsvolumen verfügen, also in den bekannten Indices gelistet sein. Im DAX gelistet sind nur Vorzüge von Henkel und vom Sonderfall Volkswagen.

    Im TECDAX sind Vorzugsaktien von Sartorius, Drägerwerk und United Internet gelistet, im MDAX Fuchs Petrolub. Keine dieser Aktien fällt unter die Rubrik werthaltige Aktien mit stetiger positiver Kursentwicklung.

    Vorzugsaktien findet man oft bei Nebenwerten, deren Kurse häufig auf der Stelle treten oder die sich durch eine instabile Kursentwicklung auszeichnen. Nebenwerte sind für Privatanleger weniger empfehlenswert. Es handelt sich niemals um Aktien wirklich werthaltiger, marktbeherrschender Unternehmen mit kontinuierlicher positiver Kursentwicklung.

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