Wann Anleihen kaufen: Wie entscheidend ist der Kaufzeitpunkt?

    Sollen Anleger jetzt Anleihen kaufen? Wann ist der beste Zeitpunkt, um in Renten oder Obligationen, andere Bezeichnungen für Anleihen, zu investieren? Ähnlich wie bei Aktien, wird diese Frage auch bei Bonds ausführlich diskutiert.

    Besonders die gegenwärtig noch anhaltende Phase niedriger Zinsen gibt Anlass, darüber nachzudenken, ob man als Anleger eine Investition in Anleihen erwägen soll oder nicht.

    Folgende Faktoren spielen bei diesen Erwägungen eine besondere Rolle: die Rendite, das Zinsänderungsrisiko und die Frage nach der passenden Laufzeit einer Anleihe.

    Ob und gegebenenfalls wie sich diese Faktoren auf den Anlageerfolg auswirken können, und warum Anleihen eine bedeutende Rolle in einem ausbalancierten Wertpapierportfolio spielen, darauf wollen wir uns in diesem Beitrag konzentrieren.

    Rendite und Kupon bei Anleihen

    Anleihen sind verbriefte Schuldverschreibungen. Der Emittent nimmt einen Kredit bei dem Inhaber der Anleihe auf. In der Urkunde werden die Einzelheiten der Kreditkonditionen beschrieben und die Höhe der jeweiligen Kreditschuld.

    Weist die Urkunde einen Nominalbetrag in Höhe von 1.000 Euro aus mit einem Zinssatz von 4 % jährlich und einer Laufzeit von zehn Jahren, dann schuldet der Emittent dem jeweiligen Inhaber der Anleihe 1.000 Euro, die nach zehn Jahren an den Inhaber der Urkunde zurückzuzahlen sind. Außerdem muss er jährlich 4 % Zinsen auf diesen Betrag auskehren.

    Den sich aus der Anleihe ergebenden Zinsanspruch und die daraus resultierenden regelmäßigen Zinszahlungen nennt man Kupon. Sehr häufig sieht der Kupon gleichbleibende, regelmäßige Zinszahlungen vor, die vorher fest vereinbart werden.

    Es gibt aber eine Reihe von Varianten. Im Zusammenhang mit dem Thema dieses Artikels muss noch auf Anleihen mit variabler Verzinsung hingewiesen werden. Diese Wertpapiere werden auch Floater genannt.

    Bei Anleihen mit variablen Zinsen ist die Höhe des Zinssatzes an einen bestimmten Referenzzins geknüpft. Die Höhe der Zinszahlungen entwickelt sich in den vereinbarten Zeitintervallen deshalb parallel zu diesem Referenzzinssatz. Die Zinssätze können also steigen und fallen.

    Vom Kupon zu unterscheiden ist die Rendite. Der Unterschied ist bedeutend, weil die jeweiligen Verkaufspreise und Kaufpreise einer Anleihe von dem nominalen Wert abweichen können.

    Ähnlich wie Aktien, aber in geringerem Umfang, unterliegen Anleihen während ihrer Laufzeit Kursschwankungen. Diese Schwankungen werden unter anderem durch Veränderungen im Zinsumfeld ausgelöst.

    Sie sind jedoch vorübergehend. Am Ende der Laufzeit zahlt der Aussteller der Anleihe immer den in der Urkunde verbrieften Nominalbetrag zurück.

    Gibt der Anleger also genau den Nominalbetrag für seine Anleihe aus, entspricht der Kupon immer wenigstens der Rendite. Gewinne können erzielt werden, wenn der Investor die Anleihe zu einem höheren Kurs verkauft.

    Kauft man Anleihen unter pari, also zu einem geringeren Preis als den Nominalbetrag, liegt die Rendite über dem Kupon. Renditeverluste können nur entstehen, wenn die Anleihe während der Laufzeit zu einem Preis verkauft wird, der unter dem Einstandspreis liegt.

    Beispiel: Eine Obligation mit einem Nennwert von 1.000 Euro und einer jährlichen Verzinsung von 2 % wird für 950 Euro gekauft. Der Kupon beträgt 2 %. Die Rendite jedoch liegt bei 2,11 %.

    Wird eine Anleihe über pari also zu einem höheren Preis als der Nennwert erworben, ist die Rendite geringer als der Kupon. Verluste können nur ausgeglichen werden, wenn die Obligation zu einem Preis verkauft wird, der den Einstandspreis übersteigt.

    Beispiel: Ein Bond mit einem Nennwert von 1.000 Euro und einer jährlichen Verzinsung von 2 % wird zu 1.050 Euro gekauft. Der Kupon beträgt wieder 2 %. Die Rendite hingegen liegt nur bei 1,9 %.

    Das Zinsänderungsrisiko bei Anleihen im Zusammenspiel mit den Laufzeiten

    Mit dem Begriff des Zinsänderungsrisikos wird die Abhängigkeit des aktuellen Marktwertes einer Anleihe vom Zinsumfeld umschrieben.

     Cartoonfigur auf ansteigenden Münzstapeln – steigende Renditen

    Geldanlage in Anleihen – langfristig gute Renditen

    Das Zinsumfeld, der jeweils gültige Marktzins, hängt von einer Vielzahl von Faktoren ab. Dazu gehören konjunkturelle Entwicklungen weltweit oder in einem bestimmten Land, politische Einflüsse und nicht zuletzt die von den Notenbanken betriebene Zinspolitik.

    Steigt das Zinsumfeld während der Laufzeit, fällt der Kurs einer Anleihe gegenüber dem Einstandspreis. Der Wert der Geldanlage in diese bestimmte Anleihe fällt also.

    Der Grund für diese Entwicklung liegt in der Ausgabe höher verzinster Anleihen. Durch Abschläge auf den Nennwert versucht der Markt, die Renditen anzugleichen.

    Fallen die Marktzinsen, hat das den gegenteiligen Effekt. Der Wert der Geldanlage in Anleihen steigt gegenüber dem Anschaffungspreis.

    Anleihen werden mit unterschiedlichen Laufzeiten ausgegeben. Unterschieden werden:

    • Langfristige Anleihen: länger als acht Jahre,
    • Mittelfristige Anleihen: vier bis acht Jahre,
    • Kurzläufer: Laufzeit bis höchstens vier Jahre.

    Je länger die Laufzeit einer Anleihe ist, desto höher ist der Kupon. Kurzläufer sind also immer mit einem relativ niedrigen Zinskupon ausgestattet.

    Je kürzer die Laufzeit bzw. die Restlaufzeit bei Erwerb einer bereits gehandelten Anleihe ist, desto niedriger ist aber andererseits das Zinsänderungsrisiko. Deswegen werden Kurzläufer gegenüber anderen Anleihen in eine niedrigere Risikoklasse eingeteilt.

    Aus diesen Umständen wird häufig folgender Rat für Anleger abgeleitet:

    1. Kaufe Kurzläufer, wenn der Marktzins niedrig ist und du mit einer Erhöhung des Marktzinses rechnest.
    2. Kaufe Anleihen mit längeren Laufzeiten, wenn das allgemeine Zinsniveau hoch ist und Du mit einem Rückgang der Marktzinsen rechnest.

    In engem Zusammenhang mit dem beim Erwerb einer Anleihe vorgefundenen Zinsumfeld steht der Rat, den Kaufzeitpunkt für eine Obligation von der jeweiligen Marktentwicklung bei Aktien abhängig zu machen.

    Niedrige Zinsen treiben die Konjunktur und führen in der Regel zu einem Bullenmarkt bei Aktien. Steigen die Zinsen, führt dies häufig zur Konjunkturabkühlung mit der Folge fallender Aktienmärkte.

    Daraus folgt der häufig gehörte Rat für eine Geldanlage in Anleihen: Kaufe Anleihen, wenn Aktien sich in einem Bullenmarkt befinden. Kaufe hingegen Aktien, wenn „die Kanonen donnern“.

    Diese Ratschläge können als Faustregel durchgehen. Steigt das Zinsniveau, werden neue Anleihen mit einem entsprechend höheren Kupon versehen. Das führt zu Verlusten bei Marktpreisen bestehender Anleihen.

    Kurzläufer werden zwar niedriger verzinst, zeigen sich aber gegenüber Wertverlusten stabiler, wenn das Zinsumfeld steigt. Länger laufende Anleihen sind gegenüber Veränderungen des Marktumfeldes anfälliger, jedoch mit einem höheren Zinskupon ausgestattet.

    Die Faustregeln haben jedoch deutliche Schwächen. Ähnlich wie bei Aktien lässt sich die zukünftige Wertentwicklung bei Anleihen kaum verlässlich voraussagen. Über die Entwicklung der Marktzinsen können Fachleute spekulieren, verlässliche Aussagen können sie jedoch nicht treffen.

    Wer beispielsweise als langfristig denkender Anleger in Kurzläufer investiert, hat nur dann einen echten Vorteil, wenn sich das Zinsumfeld relativ schnell deutlich erhöht.

    Sehr oft outperformen Kurzläufer Anleihen mit längeren Laufzeiten nur, wenn die Marktzinsen schneller steigen, als der Markt es erwartet hat. Entwickelt sich hingegen der Zinssatz erwartungsgemäß, tritt dieser Effekt nicht ein.

    Vielleicht ist es deshalb sinnvoll, für eine Geldanlage in Anleihen eine etwas modifizierte Strategie zu wählen.

    Erfolgreich in Anleihen investieren

    Für eine erfolgreiche Geldanlage in Anleihen ist nicht entscheidend, ob Investoren beim Kauf des Bonds den günstigsten Zeitpunkt erwischt haben.

    Neben der Qualität der Anleihe, der Höhe des Zinskupons und der Risikoklasse spielt vielmehr die Anlagedauer eine entscheidende Rolle. Die Anlagedauer sollte die Laufzeit der Anleihe niemals unterschreiten.

    Bei den meisten Anleihen steht die Rendite von vornherein fest, sofern sie bis zum Laufzeitende gehalten werden. Denn der Aussteller einer Anleihe muss bei Beendigung der Laufzeit immer den Nennwert auszahlen.

    Die Kurse von Anleihen haben übrigens die Tendenz, sich gegen Laufzeitende dem Nennwert wieder anzunähern.

    Zwischenzeitliche Kursverluste mögen gravierend sein. Aber sie spielen bei einer solchen Anlagestrategie keine Rolle. Anleger können sie beruhigt aussitzen.

    Innerhalb des durch die Anlagedauer bestimmten Zeitrahmens, kann der Anleger die Laufzeitdauer der Anleihen variieren.

    Beispiel: Die geplante Anlagedauer beträgt 10 bis 15 Jahre. Dann kann ein Teil des zur Verfügung stehenden Kapitals in Kurzläufer oder in Anleihen mit mittlerer Laufzeit gesteckt werden, während ein anderer Teil in Bonds mit langer Laufzeit investiert wird.

    Am besten lässt sich diese Strategie verwirklichen, wenn in Anleihe-ETFs investiert wird. Bei JustETF finden Investoren eine gute Auswahl.

    Eine optimale und sichere Strategie bei Geldanlagen in Wertpapiere gibt es nicht. Aber wer die Laufzeiten der Anleihen an den Zeitrahmen der geplanten Geldanlage anpasst, wird gegenüber Anlegern, die dem besten Kaufzeitpunkt hinterherjagen, tendenziell im Vorteil sein.

    In welche Anleihen mit welchen Restlaufzeiten investiert wird, ergibt sich aus den Produktbeschreibungen. Zur Ausschaltung des Währungsrisikos sollten Anleger Papiere aus der Eurozone bevorzugen.

    Werden reinvestierende Fonds gewählt, entstehen zusätzliche Renditen durch den Zinseszinseffekt.

    Anleger können auch in Anleihen mit variablem Zinskupon investieren. Dadurch wird ein bestimmter Schutz gegen Veränderungen bei den Marktzinsen gewährleistet. Allerdings muss dieser Schutz regelmäßig ihr mit einer etwas geringeren Verzinsung bezahlt werden.

    In einem ausgewogenen Wertpapierdepot sind Anleihen unerlässlich. Aktien sind wichtig, weil sie die besten Renditen produzieren.

    Der Nachteil der Aktien liegt in einer relativ hohen Volatilität. Diese kann durch Anleihen teilweise ausgeglichen werden.

    Zwar unterliegen auch Anleihen Wertschwankungen, aber mit der richtigen Strategie können diese Schwankungen weitgehend ausgebremst werden. Anleihen gewährleisten eine kontinuierliche Wertentwicklung.

    Zudem entwickeln sich die Märkte oft gegenläufig. Fallen Aktien, steigen Anleihen und umgekehrt.