Aktienkauf nach dem Warren Buffett Prinzip

    In Aktien investieren und genauso erfolgreich sein wie der bekannte amerikanische Börsenguru Warren Buffett, wer möchte das nicht?

    Kürzlich hat eine Gruppe von amerikanischen Finanzwissenschaftlern um das National Bureau of Economic Research die Anlagestrategie des Großinvestors untersucht und nach eigenen Angaben das Geheimnis seines Erfolges entschlüsselt.

    Was sie zu Tage förderten, ist eigentlich wenig überraschend. Vieles ist schon lange bekannt, denn der gegenwärtig erfolgreichste Investor hat nie einen Hehl aus seiner Strategie gemacht.

    Aber eine Erkenntnis mag für viele Anleger doch überraschend sein; der Einsatz von Fremdkapital.

    Die Ergebnisse der Studie

    Die Finanzexperten haben die Bilanzen und das Anlageverhalten Buffetts sowie Berkshire Hathaway seit 1964 ausgewertet und aus dem Ergebnis eine aus zwölf Einzelkomponenten bestehende Erfolgsformel abgeleitet.

    Die Formel lässt sich in zwei große Sparten unterteilen.

    Unterbewertete Qualitätsaktien kaufen

    Buffett beachtet beim Aktienkauf nur wenige, einfache Regeln, die er aber strikt durchhält. Investiert wird ausschließlich in hochwertige Aktien und Unternehmen, die effektiv geführt werden, und deren Geschäfte einfach zu verstehen sind.

    Die Unternehmen müssen eine gesunde Finanzstruktur (geringe Schulden, hohe Kapitalrendite) aufweisen, gute Erträge erwirtschaften und möglichst hohe Dividenden ausschütten. Die Gewinne sollten darüber hinaus mit überdurchschnittlicher Geschwindigkeit wachsen.

    Die Volatilität der Aktie muß unterdurchschnittlich niedrig sein.

    Sehr entscheidend sind die Kurs-/Buchwerte. Sie müssen niedrig sein oder wie Warren Buffett es ausdrückt, Anleger sollten „Gewissheiten mit Abschlag“ kaufen. Kurz zusammengefasst setzt Buffett also auf unterbewertete Qualitätsaktien.

    Solche Aktien werden aller Voraussicht nach zukünftig gute Renditen abwerfen, während das Verlustrisiko bzw. das Nachschussrisiko gering ist.

    Leverage Effekt durch Fremdkapital

    Der Einsatz von Fremdkapital beim Aktienkauf ist das zweite Rezept des Erfolges. Durch die damit verbundene Hebelwirkung erzielt Buffetts Unternehmen überdurchschnittliche Renditen auf das Eigenkapital.

    Um langfristig eine gleich hohe Rendite wie Buffett zu erzielen, muss nach Auffassung der Experten das Portfolio zu 60 % fremdfinanziert sein. Buffetts Alpha wird meistens auf 1,6 geschätzt.

    Allgemein wird von einem Leverage von weniger als zwei zu eins ausgegangen. Das ist ausgesprochen solide, bedenkt man, dass bei den Banken, die die Kreditkrise verursacht haben, der gleiche Wert 30 zu eins betrug.

    Der Investor leiht sich das Geld aber in der Regel nicht auf dem Kapitalmarkt, sondern von seinen eigenen Unternehmen, besonders vom sehr erfolgreichen amerikanischen Versicherer Geico.

    Die Schulden sind deshalb grundsätzlich gedeckt. Hinzu kommt ein sehr geringes Verlustrisiko, weil nur Aktien fremdfinanziert werden, die weniger Risiko als der Gesamtmarkt aufweisen.

    Unter Leverage wird die Hebelwirkung verstanden, die durch Investitionen mit Fremdkapital entsteht. Der Hebel kann die Eigenkapitalrendite in beide Richtungen bewegen. Wird mit dem Fremdkapital mehr erwirtschaftet, als es kostet, steigt die Eigenkapitalrendite. Im umgekehrten Fall sinkt sie jedoch.

    Warren Buffetts Erfolgsgeschichte

    Der Börsenguru hält über Jahre stur an seiner Anlagestrategie fest. Das ist das eigentliche Geheimnis seines Erfolges, dessen Ergebnis sich sehen lassen kann. Auch vom Technologieboom zum Ende des letzten Jahrhunderts ließ er sich nicht beirren.

    Viel belächelt blieb er seiner angeblich langweiligen Anlagestrategie treu und verzichtete weitgehend auf riskante Technologieaktien und schnelle Gewinne. So überstand er den Zusammenbruch nach der Überhitzung der Märkte relativ unbeschadet.

    Seit 1976 kommt Buffetts Portfolio auf eine Sharpe Ratio von 0,76. Der Aktienmarkt insgesamt schaffte im selben Zeitraum nur einen Wert von 0,39.

    Buffetts Berkshire Hathaway schlägt auch locker alle amerikanischen Investmentfonds, die seit 30 Jahren im Markt sind. Sie erreichen nur einen Durchschnittswert von 0,37, also noch weniger als der gesamte Aktienmarkt.

    Das relativ ärmliche Abschneiden der Investmentfonds ist ein weiterer Beleg dafür, dass sich die Investition in viele aktiv gemanagte Fonds unter Renditegesichtspunkten eigentlich nicht lohnt.

    Die Sharpe Ratio, auch Reward to Variability Ratio, ist eine Kennzahl, mit der die so genannte Überrendite gemessen wird. Überrendite ist der Ertrag einer Geldanlage, der den risikofreien Zinssatz in Abhängigkeit vom Risiko übersteigt. Je höher der Wert ist, desto besser ist die Wertentwicklung der Geldanlage bezogen auf das mit ihr verbundene Risiko.

    Warren Buffetts Methode für Privatanleger?

    Warren Buffetts Anlagestrategie setzt sich aus der Kombination zweier Komponenten zusammen: das erfolgreiche Auffinden von unterbewerteten Qualitätsaktien und die durch extensive Fremdfinanzierung hervorgerufene Hebelwirkung. Beides macht die Anlagestrategie ausgesprochen anspruchsvoll.

    Deshalb werden Privatanleger, die in Aktien investieren möchten, in der Regel große Probleme haben, diese Strategie eins zu eins nachzuvollziehen. Unterbewertete Qualitätsaktien selbst aufzuspüren, wird für die meisten Privatanleger erst gar nicht möglich sein, und der Einsatz von Fremdkapital ist deshalb in aller Regel zu risikoreich.

    Allerdings können Privatanleger ihr eigenes Anlageverhalten an die Prinzipien des erfolgreichsten Investors der Gegenwart anlehnen. In welche Aktien Berkshire Hathaway investiert, kann im Internet nachvollzogen werden.

    Wer Aktieninvestitionen mit Fremdkapital riskieren möchte, sollte zur Abdeckung des Risikos mit kurzfristigen Geldanlagen wie Tagesgeld vorsorgen.

    Empfehlenswert ist eine antizyklische Anlagestrategie, wie auch Buffett sie verfolgt. Aktien sollten in  allgemeinen oder auch nur unternehmensbezogenen „Krisenzeiten“ gekauft werden. Aber eben nur wirkliche Qualitätsaktien nach den Maßstäben Buffetts.

    Auch Warren Buffett hat den Grundstein für seinen Erfolg mit etwas Glück und in gewisser Weise durch antizyklisches Verhalten gelegt.

    Sein erstes wirklich großes Investment waren 1962 Aktien des amerikanischen Finanzdienstleisters American Express. Die Aktien waren über Nacht von 65 $ wegen eines Skandals auf 33 $ gefallen. Warren Buffett erkannte aber, dass das Unternehmen vollkommen gesund war.

    Er investierte 13 Millionen Dollar in die Aktien des Qualitätsunternehmens. Der Kurs der Aktie erholte sich schnell und in den ersten beiden Jahren nach dem Aktienkauf konnte Warren Buffett 20 Millionen Dollar Gewinn erwirtschaften.

    Warren Buffets Geschichte

    Mit sechs Jahren machte er zum ersten Mal Geschäfte mit Coca Cola, ein Unternehmen, in das er später kräftig investierte. Er kaufte ein „six-pack“ für 25 Cent und verkaufte jeden einzelnen Softdrink für einen „nickel“ (5 Cent), Gewinn: 20 Prozent.

    Seine erste Steuererklärung gab er mit 13 Jahren ab. Der laut Forbes reichste Mann der Welt – 62 Mrd. Dollar – wohnt nach wie vor in seinem Haus in Omaha, das er 1958 für 31.500 Dollar erworben hat.

    Warren Buffets Anlagestrategie lässt sich in wenigen Sätzen zusammenfassen. Hier die wichtigsten Grundsätze:

    Kaufe nur Aktien von Unternehmen, deren Geschäft du vollständig verstehst. Achte auf kontinuierliches Gewinnwachstum. Bevorzuge Unternehmen, die ständig nachgefragte Produkte des täglichen Lebens produzieren oder vertreiben und die bekannte Marken haben.

    Kaufe nur, wenn der Preis für die Aktie fair ist, am besten unter dem tatsächlichen Wert. Kaufe, wenn die Stimmung am Boden ist und verkaufe in Phasen der Hochstimmung.

    Denke nicht kurzfristig, sondern sei ein Langfristinvestor. Das klingt einfach, die Umsetzung erfordert jedoch viel Wissen, Können und Fingerspitzengefühl.

    In den 90ger Jahren belächelt, weil er von den viel zu „komplizierten“ High Tech Aktien nichts hielt, gilt Warren Buffet heute bei vielen als der erfolgreichste Investor aller Zeiten.

    Berkshire Hathaway

    Sein Unternehmen Berkshire Hathaway schreibt eine einmalige Erfolgsgeschichte. Der Kurs der Aktie stieg von 4.700 Dollar in 1988 auf zurzeit ca. 156.614 Dollar (August 2014).

    Stieg der S & P 500 seit 1965 um durchschnittlich 10,3 Prozent, einschließlich Dividende, verzeichnete Berkshire Hathaway ein durchschnittliches Wachstum von 21,1 Prozent.

    Getreu seinem Motto: „Selbst wenn die Welt zugrund ginge, würde ich noch Aktien kaufen“, tourte er während der Börsenkrisen auf der Suche nach „value stocks“ um die Welt, auch durch Europa. 35 Mrd. Dollar „free cash“ standen zum Kauf unterbewerteter Aktien zur Verfügung.

    Der Investor teilt sein Wissen

    Wo Warren Buffet gerade investiert, wird von der Fachwelt genau registriert. Wenn Buffett einsteigt, muss es sich um eine lohnende Investition handeln.

    Dabei hält Warren Buffett sein Wissen nicht zurück. Berühmt sind seine jährlichen Berichte an die Aktionäre von Berkshire Hathaway. Zunehmend nutzt er auch die Medien, um sein Wissen mit anderen zu teilen.

    Mit seinem Freund Bill Gates spielt er nicht nur online Bridge, sondern unterstützt auch dessen Stiftung mit erheblichen Beträgen.