Was ist eine Kreditkarte?

    Unter dem Begriff „Kreditkarte“ werden in Deutschland sehr unterschiedliche Finanzprodukte verstanden. Sucht man nach Merkmalen, welche für alle Kreditkarten-Arten gleichermaßen gelten, so sind es diese:

    Mit einer Kreditkarte kann an Automaten Bargeld abgeholt werden, und es wird die bargeldlose Bezahlung von Waren und Dienstleistungen ermöglicht.

    Sie ist aber als Zahlungsmittel nur einsetzbar, wenn der Händler oder der Anbieter von Dienstleistungen die Verwendung der Karte akzeptiert hat.

    Das geschieht durch einen Vertrag mit dem Herausgeber der Karte. Die Händler tragen die Transaktions- und Systemkosten. Sie setzen sich aus einem Prozentsatz von der Transaktionssumme und fixen Pauschalen zusammen.

    Die Akzeptanz von Kreditkarten ist für die Händler keine billige Angelegenheit. Die Kosten sind sehr unterschiedlich und können zwischen ca. 2 und 11 % der mit Kreditkarten bezahlten Umsätze betragen.

    Die Gewinne der Kreditkartenunternehmen werden ganz überwiegend aus den Zahlungen der Vertragshändler erwirtschaftet.

    Abgesehen von diesen Gemeinsamkeiten gibt es zwischen den Finanzprodukten, die im allgemeinen Sprachgebrauch als Kreditkarten bezeichnet werden, erhebliche Unterschiede.

    Welche Kreditkarten gibt es?

    In Deutschland und Europa beherrschen vier Kreditkartenunternehmen den Markt. In erster Linie sind dies Visa und Mastercard. Darüber hinaus sind noch Diners Club und American Express gebräuchlich.

    Besonders die erstgenannten Kreditkartenherausgeber bieten nicht nur echte Kreditkarten sondern auch Debitkarten an.

    Die verwirrende Bezeichnung lautet Prepaid Kreditkarte oder einfach nur Prepaidkarte. Diese Karten gewähren dem Inhaber kein Zahlungsziel und auch keinen Kredit, sondern werden ausschließlich auf Guthabenbasis abgewickelt.

    Klassische Kreditkarte

    Sie ist in Deutschland am weitesten verbreitet. Der Karteninhaber erhält meistens monatliche Umsatzabrechnungen, deren Salden innerhalb bestimmter Fristen zu begleichen sind. Bei fristgerechter Abwicklung der Zahlungen entstehen beim Karteninhaber keine Zinsen oder Gebühren.

    Kommt es zum Zahlungsverzug, werden Sollzinsen erhoben, deren Höhe mit den Zinsen von Überziehungskrediten vergleichbar sind. Diese Kreditkartenart wird manchmal auch als Chargekarte bezeichnet.

    Revolvierende Kreditkarte

    Bei diesen Karten haben Inhaber die Möglichkeit nicht den gesamten Betrag sondern nur einen gewissen Prozentsatz des Saldos innerhalb der gesetzten Frist zurückzuzahlen. Die Mindestsumme beträgt meistens zwischen 5 und 10 % des offenen Saldos.

    Darüber hinaus sind jederzeit Sonderzahlungen möglich. Der Kartennutzer ist also nicht an feste Rückzahlungsbeträge gebunden.

    Die Kreditkarte kann unabhängig von einer vollständigen Tilgung innerhalb des persönlichen Verfügungsrahmens immer wieder neu belastet werden.

    Ist bei einer klassischen Kreditkarte der monatliche Verfügungsrahmen starr, kann er bei einer revolvierenden Kreditkarte durch entsprechende Sonderzahlungen theoretisch um ein Vielfaches erhöht werden. Werden auf den Saldo nur Teilzahlungen geleistet, verringert sich der Verfügungsrahmen entsprechend.

    Werden nur Teilzahlungen geleistet, muss verbleibende Restschuld häufig hoch verzinst werden. Sehr oft entsprechen die Zinsen denen von Dispositionskrediten.

    Kreditkarten mit Guthabenverzinsung

    Es handelt sich um normale, klassische oder revolvierende Kreditkarten. Allerdings besteht die Möglichkeit, auf dem Kartenkonto ein Guthaben anzulegen, welches in etwa wie Tagesgeld verzinst wird.

    Das Guthaben erweitert natürlich den Verfügungsrahmen der Kreditkarte entsprechend. Es ist in der Regel entweder mit der Karte oder über Onlinebanking täglich verfügbar.

    Charge und Credit Karten

    Bei diesem besonderen Kartentyp handelt es sich um eine Kombination aus Kreditkarte und Debitkarte. Der Karteninhaber stellt ein Guthaben zur Verfügung.

    Die Höhe des Guthabens entscheidet über die Höhe des Kredits. Der Kredit errechnet sich aus einem Prozentsatz des Guthabens, der häufig formlos vereinbart wird.

    Beispiel: Vereinbart wird ein Kredit in Höhe von 50 % des eingezahlten Guthabens. Der Karteninhaber zahlt 1.000 € und erhält 500 € Kredit. Der Verfügungsrahmen beträgt jetzt 1.500 €. Nur wenn der Saldo in einer Abrechnungsperiode über 1000 € steigt, wird wie bei einer Kreditkarte abgerechnet. Je nach Vereinbarung entstehen dann auch Zinsen oder Gebühren.

    Prepaid Kreditkarten

    Dieses Finanzprodukt hat mit „Kredit“ nicht das geringste zu tun. Es handelt sich um eine Karte auf Guthabenbasis, also streng genommen um eine Debitkarte. Nach außen wird aber häufig der Anschein einer echten Kreditkarte gesetzt.

    Herausgeber sind die bekannten Kreditkartengesellschaften und die Prepaid Karten können dort genutzt werden, wo auch echte Kreditkarten akzeptiert werden.

    Ist von einer Kreditkarte ohne SCHUFA oder von einer Kreditkarte ohne Bonitätsprüfung die Rede, handelt es sich immer um Prepaid Karten. Da kein Kredit gewährt wird, ist auch keine Kreditwürdigkeitsprüfung erforderlich.

    In der Regel muss das Guthaben auf ein bestimmtes Girokonto eingezahlt werden. Möglich ist aber auch eine aufladbare Kreditkarte ohne die Einrichtung eines besonderen Kartenkontos, etwa durch Erwerb eines Cash Tickets wie bei Yuna.

    Prepaid Kreditkarten sind grundsätzlich teuer. Manchmal werden Gebühren für jede Transaktion fällig. Üblich sind Gebühren für die Kreditkartenaufladung und jährliche Grundgebühren. In wenigen Fällen gibt es Bonusprogramme für bestimmte Einkäufe.

    Seit 2010 gibt es die Möglichkeit, Pfändungsschutzkonten einzurichten. In Verbindung damit geben manche Banken Prepaid Kreditkarten auf Guthabenbasis aus. Der Vorteil: das Guthaben kann nicht gepfändet werden.

    Virtuelle Kreditkarte

    Es handelt sich um ein Finanzprodukt zur Zahlung im Internet oder bei Telefoneinkäufen.

    Eine Karte wird nicht ausgegeben, sondern es werden lediglich die zur Zahlung erforderlichen Kreditkarteninformationen zur Verfügung gestellt (Kreditkartennummer, Karteninhaber, Gültigkeitsdauer und Sicherheitsprüfnummer). Einige Anbieter erstellen diese Daten für jede Transaktion jeweils neu.

    Virtuelle Kreditkarten gibt es in den meisten Fällen nur auf Guthabenbasis. Es handelt sich also um Prepaidkarten. Ein Beispiel ist die Mastercard von der Wirecard Bank. Die Internetbank stellt darüber hinaus ein Girokonto und eine Girocard zur Verfügung.

    Wie bekomme ich eine Kreditkarte?

    Mastercard und Visa schließen Lizenzverträge mit Banken ab. Sie bieten die Kreditkarten an und legen darüber hinaus die Kartenbedingungen fest, während die Kreditkartengesellschaften lediglich als Kreditkartenherausgeber fungieren.

    In der Regel werden die Karten in Zusammenhang mit einem Girokonto vergeben. Die Ausgabe muss bei der entsprechenden Bank beantragt werden. Es findet immer eine Bonitätsprüfung statt, und es wird eine Schufaauskunft eingeholt. Der Verfügungsrahmen wird von der Bank festgelegt.

    Diners und American Express werden direkt von der Kartengesellschaft ausgegeben. Beide Karten eignen sich weniger für den normalen Privatgebrauch. Die unterschiedlichen Produkte sind teuer, und es gibt deutlich weniger Akzeptanzsstellen als bei Visa oder Mastercard.

    Teilweise werden diese Kreditkarten nur an Personen vergeben, die ein bestimmtes Einkommen erreichen. Zielgruppe sind Gutverdienende, die die Karte geschäftlich nutzen oder viel reisen. Oft gibt es besondere Vielfliegerprogramme.

    Ein Beispiel ist die American Express Platinum Card für Privatkunden. Die Aufnahmegebühr beträgt zurzeit 300 €, die Jahresgebühr 600 €.

    Die Karte beinhaltet ein Reiseversicherungspaket,  Zugang zu über 600 Airport Vip Lounges, Vorteile beim Valet Parking und bei der Beschaffung eines Mietwagens, besondere Bonusprogramme beim Einkaufen und in Restaurants sowie vieles mehr.

    Gebührenfreie Kreditkarte

    Empfehlenswert sind dauerhaft gebührenfreie Kreditkarten. Eine Kreditkarte ohne Jahresgebühr wird sowohl von Mastercard als auch von Visa herausgegeben. Beispiele sind die Kreditkarten vom Kreditvermittler Creditolo oder der DKB Bank.

    Dauerhaft gebührenfreie Kreditkarten sind mit keinen Zusatzattributen ausgestaltet wie „Gold“ oder „Platinum“. Solche Zusatzbezeichnungen deuten darauf hin, dass mit der entsprechenden Kreditkarte Zusatzleistungen verbunden.

    Meistens handelt es sich um Bonus- und Rabattsysteme oder bestimmte Versicherungen.

    In den überwiegenden Fällen müssen bei Nebenleistungen Jahresgebühren bezahlt werden.

    Kostenpflichtige Kreditkarten lohnen sich nur unter drei Voraussetzungen: Nebenleistungen, beispielsweise Reiseversicherungen, müssen im Vergleich zu Konkurrenzprodukten günstig sein, der Karteninhaber muß die angebotenen Zusatzleistungen tatsächlich nutzen können und durch die konkrete Nutzung müssen die Jahresgebühen wenigstens ausgeglichen werden.

    Welche Kreditkarte ist die beste?

    Das richtet sich nach den individuellen Bedürfnissen und dem wirtschaftlichen Leistungsvermögen des Karteninhabers. Für den Normalgebrauch ist eine Kreditkarte ohne Jahresgebühr die beste und auch ausreichend.

    Ein wichtiges Kriterium ist die Akzeptanz; nicht nur in Deutschland sondern weltweit. Hier liegen Visa und Mastercard eindeutig vorn. Beide Karten werden weltweit in etwa gleichem Maße akzeptiert.

    Wer viel mit dem Flugzeug unterwegs ist, für den können Kreditkarten mit Vielfliegerprogrammen interessant sein, selbst wenn die Karten mit Gebühren verknüpft sind.

    So genannte Prepaid Kreditkarten sind eigentlich nicht zu empfehlen. Es gibt aber eine Ausnahme. Viele Banken geben Prepaid Karten für junge, noch nicht volljährige Kunden aus. Die Verträge müssen gegebenenfalls von den Erziehungsberechtigten gegengezeichnet werden.

    Diese Karten werden zu besonders günstigen Bedingungen angeboten. Sie eignen sich sehr gut dazu, junge Menschen mit dem Umgang mit Geld und mit dem bargeldlosen Zahlungsverkehr vertraut zu machen.