Mit Zinsswaps Zinsen sparen?

    Zinsswaps sind wahrscheinlich die gebräuchlichste Unterart des Swaps. Vor allem Unternehmen dienen sie der Absicherung gegen zukünftige negative Zinsentwicklungen im Rahmen von Kreditaufnahmen.

    Je nach prognostizierter Zinsentwicklung, zukünftig steigende Zinsen oder fallende Zinsen, wird der Zinsswap unterschiedlich eingesetzt. Bleiben die Zinsen während der Kreditlaufzeit konstant oder entwickeln sie sich gegenläufig zur Prognose, erfüllen sich die mit dem Zinsswap verbundenen Erwartungen nicht.

    Insofern sind Derivate wie Zinsswaps immer Spekulationsgeschäfte, auch wenn sie zur Minimierung eines Zinsrisikos im Einzelfall beitragen können.

    Zinsswaps können natürlich auch allein zu Kapitalanlagezwecken erworben werden. Wie bei allen Derivaten handelt es sich dann um reine Spekulationsgeschäfte mit hohem Ausfallrisiko.

    Definition

    Zinsswap ist ein englischer Begriff und bedeutet etwa Austausch oder Tauschgeschäft. Im Rahmen von Kapitalanlagen und anderen Finanzgeschäften sind damit Termingeschäfte gemeint, mit denen verschiedene Risiken losgelöst von einem Basisgeschäft (Underlying) gehandelt werden.

    Die Besonderheit gegenüber anderen Derivaten, Futures oder Optionen beispielsweise, ist, dass nicht einmal, sondern mehrfach während der Vertragslaufzeit in vereinbarten Intervallen ein Leistungsaustausch stattfindet. Das Underlying selbst allerdings ist wegen des abstrakten Charakters des Swaps niemals geschuldet.

    In der Regel werden nicht die vollen Ansprüche, sondern lediglich die Differenzbeträge ausgetauscht.

    Bei einem Zinsswap sind die gehandelten Risiken unterschiedliche Zinssätze. Die Parteien vereinbaren den regelmäßigen Austausch von Zinszahlungen auf einen fiktiven Nennbetrag zu vorher festgelegten Terminen innerhalb einer bestimmten Laufzeit des Swaps. Laufzeiten bis zu zehn Jahren sind bei Zinsswaps üblich. Streng genommen ist nicht einmal erforderlich, dass die Basisgeschäfte tatsächlich bestehen. Sie können – vollständig oder teilweise – fiktiv sein.

    In der Regel werden Festzinsen gegen variablen Zinsen getauscht. Die variablen Basiszinsen werden an einen Referenzzinssatz geknüpft zuzüglich eines Aufschlages, beispielsweise Euribor oder Libor zuzüglich ein Prozent. Der Zinsaufschlag auf den fiktiven Nennwert ist abhängig von der Bonität des „Receivers“.

    Unterschieden wird zwischen Receiver Swaps und Payer Swaps. Der Unterschied wird anhand von Beispielen im Zusammenhang mit der Absicherung von Kreditzinsen deutlich.

    A verfügt über ein variabel verzinstes Darlehen. Er geht von steigenden Zinsen aus und sichert sich mit einem Payer Swap, den er mit B eingeht, einen festen Zinssatz, den Fixzins.

    Folgende Leistungen werden ausgetauscht: A zahlt an B den Fixzins, während B an A den variablen Zins zahlt. Payer ist also derjenige, der den variablen Zins hat, diesen gegen feste Zinsen tauscht und deshalb den Fixzins an den Tauschpartner zahlen muss.

    Bei steigenden Zinsen steigen der Darlehenszinssatz und der Zinsbetrag aus dem Swap gleichermaßen. Fallen die Zinsen, sinken sowohl der Swap-Zins als auch der Darlehenszins.

    Unabhängig von der zukünftigen Zinsentwicklung zahlt der Payer A immer den fixen Zinsbetrag an B. Der Payer profitiert deshalb sowohl von steigenden als auch von sinkenden Zinsen. Sinken die Zinsen, kann der Payer den Mehrwert des Zinsswaps eventuell durch Verkauf realisieren und den daraus resultierenden Ertrag zum Beispiel zur Sondertilgung verwenden.

    Die Swap-Partei, die den festen Zinssatz erhält (Gegenpartei des Payers) und dafür einen variablen Zinssatz zahlt, wird Receiver genannt. Ein Receiver Swap wird eingegangen, wenn von einem aktuellen niedrigen Zinssatz durch Reduzierung der Zinsbelastung profitiert werden soll.

    OTC Geschäft

    Zinsswaps werden auf dem Grauen Kapitalmarkt außerbörslich gehandelt. Allerdings kann die Verkehrsfähigkeit eingeschränkt sein. Zwar sind Geschäfte zum aktuellen Marktwert eines Zinsswaps grundsätzlich möglich. Jedoch muss die Swapbank, die das Papier ausgegeben hat, in der Regel ihr Einverständnis erklären.

    Zudem können wirtschaftliche und politische Verhältnisse zur Einschränkung der Marktliquidität führen oder die Handelbarkeit ganz ausschließen.

    Die Verkehrsfähigkeit kann schließlich durch die besonderen Vereinbarungen zwischen Swapbank und Erwerber erschwert werden, wenn die konkrete Ausgestaltung des Zinsswaps den gegenwärtigen Bedürfnissen des Marktes nicht entspricht.

    Die Bedingungen des Zinsswaps sind anders als beispielsweise bei Optionsscheinen nicht genau, sondern werden unter den Vertragspartnern individuell ausgehandelt.

    Allerdings besteht ein Regelwerk der International Swaps and Derivates Association, auf das häufig in dem konkret vereinbarten Rahmenvertrag Bezug genommen wird. Zwingend ist eine Bezugnahme jedoch nicht. Laufzeiten, auszutauschende Zinssätze, Referenzzinsen, Zahlungsintervalle, Formen des Austausches, Währungen usw. werden hingegen immer individuell festgelegt.

    Regelmäßig wird vereinbart, nur die Differenz zwischen den Zinszahlungen zu leisten und nicht komplette Beträge auszutauschen (Netting).

    Marktwert

    Die Bestimmung des Marktwertes ist auf den ersten Blick verwirrend. Wie bei allen Derivaten ist der Marktwert bei Vertragsschluss in der Regel für den Erwerber negativ, während er für die Bank positiv ist. Die Swapbank kann ihren Gewinn durch Gegengeschäfte (Hedging) realisieren. Einige Gerichte haben Kunden Schadenersatzansprüche zugestanden, wenn die Bank eine Aufklärung über den negativen Marktwert unterlassen hat.

    Am Ende der Laufzeit ist der Marktwert hingegen null. Die Entwicklung des Marktwertes während der Laufzeit soll am Beispiel eines Payer Zinsswaps erläutert werden.

    Der Kapitalmarktzins notiert für die Restlaufzeit unter dem vereinbarten Festzins. Hätte der Kunde ein normales Darlehen aufgenommen und nicht Zinsrisiken ausgetauscht, wäre bei Auflösung des Kredits eine Vorfälligkeitsentschädigung fällig. Der Marktwert des Zinsswaps ist negativ.

    Der Kapitalmarktzins notiert über dem vereinbarten Festzins. Hier würde dem Kreditnehmer eines Darlehens rein rechnerisch eine Vorfälligkeitsentschädigung zustehen, allerdings räumt ihm die Bank dieses Recht nicht ein, auch wenn Sondertilgungen erlaubt sind. Bei dieser Fallkonstellation ist der Marktwert des Payer Swaps positiv.

    Der Inhaber des Swaps kann also anders als der Kreditnehmer eines normalen Darlehens den Wert der Vorfälligkeitsentschädigung realisieren, wenn er den Swap verkauft.

    Forward Zinsswap

    Beim Forward Zinsswap besteht die Besonderheit, dass der Beginn der ersten Zinsperiode um einen festgelegten Zeitraum hinausgeschoben wird.

    Mit diesem Derivate lassen sich günstige Zinsen für die Fremdfinanzierung von Investitionen in der Zukunft sichern.

    Weitere Formen des Zinsswaps

    Plain Vanilla bezeichnet die gewöhnliche, übliche Art des Swaps, wie oben beschrieben. Möglich ist auch, dass zwei variable Zinsen mit unterschiedlicher Laufzeit getauscht werden, etwa 3 Monats Euribor gegen 6 Monats Euribor.

    Beim Cross Currency Swap werden unterschiedliche Währungen zugrunde gelegt (zum Beispiel Zinszahlung in US-Dollar gegen Zinszahlung Yen). Bei dieser Konstruktion werden in der Regel zum vereinbarten Zahlungstermin die Nominalbeträge getauscht und nicht nur die Überschüsse gezahlt.

    Möglich ist auch die Vereinbarung einer einzigen fremden Währung. Zinsswaps in Fremdwährung unterliegen zusätzlich zu dem Risiko der Entwicklung der Marktzinsen dem Währungsrisiko.

    Werden Tagesgeldzinsen gegen variable oder feste Schuldzinsen getauscht, spricht man von einem EONIA Swap.

    Ein Zins-Swaption ist eine Option auf einen Receiver Swap oder einen Payer Zinsswap. Der Erwerber kann gegen Zahlung eines bestimmten einmaligen Geldbetrages zu einem oder zu mehreren aufeinanderfolgenden Zeitpunkten in einen bestimmten Zinsswap eintreten.

    Risiken und Chancen

    Sofern Grundgeschäfte vorhanden sind, dienen Zinsswaps nicht nur der reinen Absicherung gegen Zinsänderungen, sondern mit ihnen ist auch die Erlangung von Zinsvorteilen möglich. Beide Parteien können von Zinsvorteilen profitieren, wenn sie beispielsweise über unterschiedliche Bonitätsstufen verfügen und sich deshalb für verschiedenen Kreditformen (variabler oder fester Zins) mit unterschiedlichen Zinssätzen entscheiden.

    Da jedoch regelmäßig Banken zwischengeschaltet werden, reduziert sich der Vorteil durch die an die Bank zu zahlenden Provisionen.

    Risiken liegen in der nicht erwartungsgemäßen Entwicklung der Zinsen und der damit zusammenhängenden unerwartet auftretenden Marktpreisrisiken. Außerdem besteht ein Ausfallrisiko bei Bonitätsproblemen des Vertragspartners.

    Besteht kein Grundgeschäft oder fällt es später weg, sind Zinsswaps reine Spekulationsgeschäfte mit den für Derivate üblichen Risiken und Chancen. Erträge aus Zinsswaps unterliegen der Kapitalertragssteuer.